Die Morgendämmerung reißt das schmale Schneisen durch die finstere Nacht – eine seltsam treffende Metapher für das, was wir mit dem Remake von Gothic 1 erlebt haben. Die Veröffentlichung hat eine Lawine von Kritik und Aufregung ausgelöst und dennoch eine faszinierende, aber teils harte Nostalgiereise für Hardcore-Fans des Originals geboten. Die offensichtliche Frage, die sich hierbei auftut, ist die: „Reicht es für den zweiten Teil?“
Mit dieser Frage beschäftigt sich der folgende Artikel.
Zunächst sei erwähnt, dass sich beim Remake von Gothic 1 viel verändert hat. Farbenfrohere Landschaften haben die graue, dreckige Welt des Originals ersetzt, ein überarbeitetes Kampfsystem hat den alten, klumpigen Mechanismus abgelöst und die dialogischen Konversationen sind nun filmreifer. All diese Änderungen haben bei der Gemeinschaft polarisierende Meinungen hervorgerufen.
Am drängendsten ist jedoch das Thema der Änderungen am Kampfsystem. Während das Gameplay des Originals unausgereift und seiner Zeit weit voraus war, hat die Überarbeitung der Kämpfe im Remake das einst zackige und unvorhersehbare Schwertspiel in eine einfache Klick-und-Zieh-Mechanik verwandelt. Dieser vereinfachte Ansatz hat durchaus seinen Reiz für neue Spieler, könnte aber langjährige Gothic-Fans abschrecken.
Hinzu kommt, dass das Wiedersehen mit den alten Lieblingscharakteren nicht so befriedigend war, wie es hätte sein können. Die Charakterdesigns und -modelle wurden stark verändert, was zu teils ernüchternden Begegnungen führte. Außerdem ist die Vertonung der Charaktere merklich anders, sodass der nostalgische Wiedererkennungswert stark abnimmt.
Allerdings sollte man nicht vergessen, dass ein Remake per Definition eine Überarbeitung ist. Man konnte nicht erwarten, dass es haargenau wie das Original sein würde. Tatsächlich ist es eine beeindruckende Leistung, wie viel Arbeit THQ Nordic in das Projekt gesteckt hat, um es modernen Standards anzupassen und gleichzeitig die Kernelemente von Gothic 1 beizubehalten.
Somit kommen wir auf die Kernfrage zurück: Reicht es für den zweiten Teil? Eine definitive Antwort ist schwierig. Die Meinung der Gemeinschaft ist gespalten. Einige begrüßen die frischen Aspekte und betonen, dass sie dem Spiel neues Leben einhauchen. Andere halten die Veränderungen für zu drastisch und vermissen das geliebte Original.
Die Spielerzahlen lassen Einblick gewähren, wie es um ein Remake des zweiten Teiles stehen könnte. Der All-Time Peak lag bei aufgerundet 78.000 Spielern, bei einer Bewertung von 82,8% mit 11.000 Bewertungen. Dabei wird vermuten VG Insights, PlayTracker und Gamalytic, dass zwischen 200.000 und 330.000 Nutzer den Remake erworben haben.
Gothic 1 Remake ist ein Nichenspiel, welches mehr Nostalgische Fans als Casual oder Newcomer anspricht. Dadurch sind die Verkaufszahlen klein im Vergleich zu Titeln wie Battlefield, Call of Duty oder Assassins Creed. Zu hoffen bleibt, dass THQNordic genügend Verkäufe verzeichnen können, um einen Remake des zweiten Teils in betracht zu ziehen:





















